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Hallo-Wippingen vom 28.11.2011

Tunscheren machen mit Heinz Thien

 

Heinz Thien aus Lathen ist ein Mann, der noch die alte Kunst des Krüllens beherrscht. Mit dieser Kunst lassen sich wunderbare Tunscheren aus Holz herstellen. - eine arbeitsaufwendige Methode, die fast ganz in Vergessenheit geraten ist.

 

Einige Mitglieder des Heimatvereins Wippingen ließen sich gestern in die Kunst einführen - ob die Schüler gelehrig genug waren, wird sich Silvester zeigen.

 

Krüllen - die Kunst ist so alt, dass kaum einer etwas mit dem Wort anfangen kann. Früher wurde die Tunschere aus 20 - 40 cm langen gekrüllten Holunderbaumästen gefertigt. Die geschnittenen Äste des Holunderbusches werden von der Baumrinde befreit, dann werden die Fasern des Holzes mit einem Messer stufenweise am Ast heruntergeschält. So entstehen Holzlocken, sogenannte Krüllen.

Die gekrüllten Äste werden auf einer Holzplatte angeordnet und dekoriert. Da diese Tunscheren sehr arbeitsaufwendig sind und Geschicklichkeit erfordern, wurden sie auf dem Hümmling als Kostbarkeit angesehen. Vielerorts wurden sie vom Tunscherenkerl gekauft und je nach Ort zu Silvester oder zu Heilige-drei-Könige zu Nachbarn, Verwandten oder zur umworbenen Frau gebracht.

Sie wurden im Laufe des Jahres gut verwahrt und im Folgejahr erneut ausgebracht.

 

Unsere heutigen Tunscheren werden aus Papier hergestellt. Dabei werden die Äste zu Bögen geformt, mit Papier girlandenähnlich umwickelt und auf einem Brett befestigt und ausgeschmückt. Die Schleifen des Papiers erinnnrn an die Krüllen der Holz-Tunschere.

 

Übrigens wurden früher mit der gleichen Krüll-Technik die Palmstöcke verziert.

jdm


Die folgende Beschreibung des Tunscherenbrauchs ist entnommen aus einem Hümmlinger Heimatbuch aus dem Jahr 1928 und wurde von einem W. Heermann verfasst..

 

Die Tunschere.

Während die Herstellung einer Wärpelraut nur wenig Geschicklichkeit im Falten und Schneiden des bunten Papiers erfordert, ist die Anfertigung einer Tunschere nicht jedermanns Sache.

 

In Werlte wohnt der "Tunscherenkerl", der die Tunschere mit großer Geschicklichkeit herstellt und zwischen Weihnachten und Dreikönigen von Dorf zu Dorf zieht, bis er die letzte aus seiner Kiepe verkauft hat. Schauen wir ihm einmal zu, wenn er in seiner Werkstatt eifrig bei der Arbeit ist. - Er nimmt 20 bis 40 Zentimeter lange, trockene Stäbchen aus dem Holze des Faulbeerstrauches und schabt mit einem recht scharfen Messer von unten bis fast nach oben haarfeine Fädchen ab. Diese rollen sich zu "Krüllen" (krüllen=kräuseln) und stehen wie die Krinolinenröcke zu urväterzeiten unten weit ab. Dann werden diese Stäbchen auf ein Brettchen von 20 bis 30 Zentimeter Länge und 10 bis 15 Zentimeter Breite befestigt. Halbkreisförmig gebogene dünne Weiden wölben sich darüber. Stäbchen und Bogen werden mit buntem Papier und Gold- oder Silberschaum umwickelt. Vier Stäbchen tragen auf der Spitze rotwangige Äpfel. Auf manchen Tunscheren stehen auch wohl mit Goldpapier geschmückte Kerzenleuchter.

 

Eine Tunschere kostet je nach Größe und Ausstattung 1,50 bis 5 Mark. es werden aber nicht jedes Jahr neue Tunscheren gekauft. Die zum Geschenk erhaltenen Kunstwerke werden im Glasschrank bis zum nächsten Winter sorgfältig aufbewahrt und dann wieder ausgebracht.

Am Abend vor Dreikönigen tragen die Kinder die Tunschere zu Verwandten, Freunden und Nachbarn. Unterwegs singen sie:

"Stern, du mußt nicht stille stahn,
Sollst mit uns nach Bethlehem gahn;
Bethlehem ist die heil'ge Stadt,
Wo Maria und Joseph mit dem Kindlein Jesu satt."

Beim Betreten des Hauses grüßt die ganze Schar:
"Guten Abend, mine heeren!
Wi wull'n Jou wall 'n Tunschere verehren.
Latet us nich lange stahn,
Wie mött' noch'n Hüsken wiedergahn!"

 

Zur Belohnung bekommen alle drei Neujahrskuchen und ein riesengroßes Butterbrot.

 

Die Famile ist am Abend um das Herdfeuer versammelt. Die jüngeren Kinder ruhen schon in ihren warmen Betten. Der älteste Sohn des Hauses rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Er ist auffallend suaber gekleidet. Vater und Mutter werfen sich bedeutsame Blicke zu. Sie haben nichts dagegen, daß ihr Gerd ein Auge auf Jans Trina geworfen hat. Heute will er die Entscheidung herbeiführen. Er nimmt die feinste Tunschere aus dem Schranke und eilt durch die kalte Abendluft zum Hause der Erwählten. Leise öffnet er die Tür, stellt die Tunschere auf einen Stuhl und verschwindet wieder. Alles stürmt ihm nach, um den "Eindringling" zu erhaschen. Er wird erwischt - eben dieses will er - und im Triumph in die beste Stube geführt. Man zündet die große Kuppellampe an und schließt sorgfältig die Vorhänge, damit kein Unberufener durchs Fenster schauen kann. Nun wird gegessen und getrunken bis in die Nacht heinein. Beim Scheiden muß Gerd versprechen, morgen wiederzukommen. er nimmt die Einladung gern an, weiß er doch nun, daß seine Bitte um Trinas Hand nicht vergeblich sein wird.

 

"Tunscherenkerl is dot", und mit ihm ist auch die alte Sitte des Austragens der Tunschere zu Grabe getragen worden. In einigen Häusern erinnert noch in einer Ecke der Anrichte ein solches Schmuckstück, ganz vergilbt und verstaubt, an frühere Dreikönigsabende.


Die folgende Beschreibung des Brauchs um die Wärpelraut ist entnommen aus einem Hümmlinger Heimatbuch aus dem Jahr 1928 und wurde von einem W. Heermann verfasst..

Die Wärpelraut.

 

Am letzten Tag des Jahres (Sylvester) gab es in früheren Zeiten auf den Dörfern des Hümmlings eine fröhliche Sitte, die erst gegen Anfang des 20. jahrhunderts erloschen ist: das Ausbringen der Wärpelraut. darauf freute sich jung und alt schon lange vorher.

 

Die Kinder brachten ihre Wärpelraut am Nachmittag zu den Nachbarn und Verwandten und wurden dafür freundlich und freigebig bewirtet. In den meisten Häusern gab es den "dicken Reis", mit Zucker und Zimt bestreut, Neujahrskuchen und Kaffeebeschüte, auch wohl ein Sirup-Butterbrot. Die drei letzteren Sachen wurden von der guten Hausmutter teilweise den Kindern mitgegegeben, den süßen Reis mußten sie gleich verzehren. Dabei geschah es nicht selten, daß die kleinen Gäste so aßen, daß es zuviel wurde und mit Leibschmerzen endete.

 

Die Wärpelraut muß anfangs wohl ein reich verzierter Dornstrauch gewesen sein, denn das altdeutsche Wort Wärpel bedeutet Dorn. da aber Dornen stechen und wahrscheinlich wegen ihrer Ausrodung allmählich schwerer zu haben waren, traten Tannenzweige oder üppige Kohlköpfe, die man auf ihren Stielen beließ, an deren Stelle. Die Wärpelraut wurde bübsch verziert, so wie jetzt der Tannenbaum zur Weihnachtszeit, aber einfacher, mit geschnitztem, buntem Glanzpapier, einigen Lichtern und Äpfeln. Zum Austragen zogen die Kinder ihre Sonntagskleider an und überbrachten ihren Gönnern die Wärpelraut mit dem Gruße: "gauden Dag, wi wullen Jau wall'n Wärpelraut bringen." - "Dät is jä moie, Kinner; wat'n fein Ding! Nu settet Jau man henn; I krieget erst wat tau äten."

 

Nach der Bescherung zogen die Kinder beglückt wieder heim, oft noch mit so vielen Äpfeln und Neujahrskuchen beladen, daß sie tagelang davon zehren konnten.

 

Die Erwachsenen brachten ihre Gabe abends aus; sie war meistens einfacher, bis zum schlichten Strauch oder Kohlkopf, nur mit einer Papierschleife versehen. Diese Wärpelraut wurde meistens unversehens ins Haus geworfen. Während dann die Werfer sich auf die Flucht machten, stürmten die Hausbewohner hinterdrein. Wer gefangen wurde, mußte mit ins Haus zurück und sich bewirten lassen, eine Demütigung, die aber immer fröhlich endete.