Eine Radtour in die Geschichte der Region

Eine Radtour in die Geschichte der Region

Die vorletzte Radtour des Heimatvereins für dieses Jahr startete am 4. August. Elfriede und Gerd Kähler führten uns, wie immer sehr gut vorbereitet, in die Geschichte unserer Region, denn es ging in die Wüstung Wahn. Pünktlich um 14.00 Uhr ging es mit 34 Teilnehmern ab Marktbrunnen, bei tropisch anmutenden Temperaturen, in Richtung Lathen-Wahn und weiter nach Alt-Wahn. Bei über 30 Grad entschied Gerd kurzfristig, die Tour leicht zu verkürzen.

Nach zehn Kilometern erreichten wir den Erinnerungsort Wahn und wurden von Wilhelm Masbaum aus Sögel freundlich begrüßt. Seine Familie, genau, wie die unserer Heimatfreunde Wilhelm Behrens und Heinz Fischer, stammte aus dem ehemaligen Dorf Wahn. Herr Masbaum erläuterte uns detailliert die Geschichte des Ortes, auf die ich im Folgenden noch näher eingehen werde. Er war auch maßgeblich daran beteiligt, dass hier diese Erinnerungsstätte überhaupt geschaffen wurde. Dann ging es weiter zum alten Friedhof des Ortes, der leider hin und wieder von Vandalen heimgesucht wird. Auffallend ist hier zum einen die hohe Anzahl von bestatteten Kindern, der Diphterie geschuldet, aber auch zum anderen ein noch vorhandenes, geschnitztes Grabkreuz des damals in Lathen ansässigen Bildhauers “Hellerbernd”. Nach der Besichtigung der Mariengrotte, in der u.a. den Gefallenen des Ortes Wahn im ersten Weltkrieg gedacht wird, sammelten wir uns wieder, um den Rückweg anzutreten.

Die Geschichte des Ortes Wahn in stark gekürzter Form:

Der Ort Wahn entstand etwa im 9. Jahrhundert zwischen Lathen und Sögel. Im Jahr 1877 gründete die Fa. Krupp aus Essen, dann südlich der Gemeinde einen Schießplatz. Die 1926 fast vollständig umgebaute Antoniuskirche zu Wahn (auch Hümmling-Dom genannt) wurde im Jahr 1942 abgerissen, nachdem Adolf Hitler, nach einem Besuch der Kruppschen Anlagen, 1936 die Erweiterung des Schießplatzes verfügt hatte. Das Gelände wurde zwangsgeräumt und 177 Wahner Familien wurden umgesiedelt und verloren damit ihre Heimat. Im März 1943 verließen die letzten Familien ihren Heimatort.
Seit 1957 betreibt die Bundeswehr den Schießplatz als sog. Erprobungsstelle, jetzt Wehrtechnische Dienststelle 91 (WTD 91).
Das Gebiet des ehemaligen Ortes verwilderte, bis sich 2006 einige Engagierte daranmachten, einen Erinnerungsort zu schaffen, der für alle Besucher sehr eindrucksvoll ist.
Allen, die sich angesprochen fühlen, sprechen wir Dank und Anerkennung aus!
An jedem dritten Sonntag im Juni findet alljährlich das “Wahner Treffen” statt, zum Gedenken an das ehemalige Dorf.

Jeder, der mehr über Alt-Wahn erfahren möchte, ist gut beraten, einen Besuch in der Erinnerungsstätte einzuplanen!

Jetzt ging es schon mal zurück in Richtung heimatliche Gefilde, aber nicht ohne die obligatorische Kaffeepause. Dieses Mal war im “Wahner Eck” bei unserer Ankunft schon alles vorbereitet. Wir ließen uns Kaffee und Tee schmecken und bedienten uns reichlich am aufgebauten Kuchen-Buffet.

Danach hatten wir aber noch eine weitere Verabredung in der Antoniuskirche von Lathen-Wahn. Hier steht, seit dem letzten Jahr, 2025, nach einer Odyssee, der vom bekannten Baumeister Johann-Conrad Schlaun gestaltete wunderschöne Hochaltar, der früher in der gleichnamigen Kirche im Ort Wahn gestanden hat. Nach über 80 Jahren hat der restaurierte Altar seine alte Heimat wiedergefunden. Dr, Helmut Fischer, Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Antonisgemeinde Lathen-Wahn, erklärte uns genau alle eingebauten Feinheiten und Bedeutungen des Altars.
Wir freuen uns, dass so ein Kunstwerk erhalten geblieben ist!
Die auch von Schlaun geplanten Beichtstühle des Hümmling-Doms stehen im übrigen in der St. Vitus Kirche zu Lathen.

Alle Teilnehmer bedanken sich bei Wilhelm Masbaum aus Sögel für die Führung durch die Erinnerungsstätte,
bei Dr. Helmut Fischer für die interessanten Ausführungen zum Hochaltar
und nicht zuletzt bei Elfriede und Gerd Kähler für die gute Organisation.